Sonntag, 22. Februar 2015

Kinderkram >> "Ich kann kein Haus." Gedanken zu Geschwisterbeziehungen.

Regen. Matsch. Grau in grau.
Die große Schwester bei der besten Freundin, der kleine Bruder allein zu Haus. Mit Mama. Kindliche Missmutsstimmung macht sich breit.
Was machen wir denn da???
Tuschen!!!
Tuschen ist immer toll! Kinder stehen auf Tuschen!


- Wollen wir Tuschen?
- Nur wenn du malst. Ich kann das nicht.
- Mal' doch noch so ein schönes Haus. Das kannst du richtig gut.
- Nee, ich kann kein Haus.
- ...???...

Das eigene Tun oft gemessen an dem Können der großen Schwester, lässt die Entmutigung den kleinen Bruder manchmal noch nicht mal den Versuch wagen.
Da hilft nur eins: Wir malen nicht, wir pusten!


Und nachdem das "Ichkannnicht" mit Strohhalmen einfach hinfort geweht worden war, waren da nur noch Farben und ein Pinsel... und schließlich ein "Eichhörnchen im Regen auf dem Flohmarkt".
Wer hätte das gedacht?
Nun prangt das Werk über des Lütten Bett im Kinderzimmer. (Das Eichhörnchen ist übrigens blau und mit etwas Fantasie tatsächlich zu erkennen.)


Kleiner Bruder zu sein, ist wahrlich nicht einfach. Das meiste kann die Ältere besser und schneller. Wie frustrierend! Aber auch das große Geschwister zu sein, kann zur ungeheuren Geduldsprobe werden, wenn es immer wieder Rücksicht nehmen oder Verständnis aufbringen muss, weil das kleine Geschwisterchen manche Dinge noch nicht kann oder noch nicht versteht. Wie nervig!
Zum Glück ist immer wieder auch ganz viel Geschwisterliebe zu spüren, wenn derjenige, der grad nicht da ist, so manches Mal schmerzlich vermisst oder das kleine Geschwister vor vermeindlichen Feinden beschützt wird. Und es ist immer wieder wunderbar, dass es jemanden gibt, der einfach zu einem gehört und mit dem man gemeinsam die Welt erleben und entdecken kann.
Vor Kurzem habe ich in einem Artikel gelesen, dass gerade das Vorhandensein dieser ambivalenten Gefühle "ein ganz wesentliches, universelles Merkmal aller Geschwisterbeziehungen ist. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Rivalität (und damit verbundene negative Gefühle, wie Eifersucht, Neid, Ablehnung, Aggression) zum Geschwisteralltag dazu gehört, so wie Geschwisterliebe, -solidarität und -vertrauen". Das beruhigt doch, oder?!

Anlass zur Freude - nicht nur sonntags...

Ein sehr praktisches Wundermittel, das bei uns immer hilft, Wenn die geschwisterliche Rivalität mal wieder zu groß wird und auf die gesamte Familienstimmung drückt, gibt es bei uns ein ganz praktisches Wundermittel: Ein Elternteil widmet sich dem wütenderen, traurigeren, motzigeren Kind ganz allein.

Spielplatzbesuch mit Aufmerksamkeitsgarantie

Ja, das kann auch mal etwas elterliche Überwindung kosten (...), aber es hilft. Wirklich! Entweder nutzt man die Zeit, wenn das Geschwister verabredet ist, um sich dem Daheimgebliebenen ganz und gar zu widmen oder man macht sich einfach aus dem Staub, unternimmt einen Stadtbummel, eine Fahrradtour oder ein Waldausflug.

 Auch ein Ausflug in den nächsten Baumarkt kann zum Hit werden!

Hauptsache das Kind hat einen Elternteil mal ganz für sich. So frisch mit elterlicher Liebe und Aufmerksamkeit aufgeladen, kann man der Schwester oder dem Bruder wieder viel entspannter begegnen. (Selbstverständlich macht das Ganze nur Sinn, wenn jeder mal dran ist...)

Wie sieht's bei euch aus mit geschwisterlichen Erfahrungen? Welche Tricks und Tipps habt ihr auf Lager, wenn zwischen den lieben Kleinen mal wieder mehr Krieg als Frieden herrscht? Oder steht ihr dem ganzen manchmal auch etwas ohnmächtig gegenüber? Habt ihr vielleicht selber Bruder oder Schwester und könnt ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern und verraten, was euch auf die Palme gebracht oder die Harmonie wieder hergestellt hat?
Ich, übrigens Einzelkind, bin gespannt...


Kommentare:

  1. Das hast Du sehr gut beschrieben. Ich - auch Einzelkind - habe drei Kinder in ziemlich dichtem Abstand (Sep. 01, Feb. 03 und Juli 05). Wie ihr auch haben wir immer versucht, die Ausflüge des einen für schöne Dinge mit den anderen zu nutzen. Mir tut es manchmal weh, dass die Kleine so ein bisschen zwischen den Stühlen steht, denn die Große könnte mit ihr Mädchensachen machen und der Mittlere hat sie auch gern beim Spielen mit Lego oder Kuscheltieren dabei. Da fliegen manchmal die Fetzen, weil sie sich ja nicht zerteilen kann. Nicht immer habe ich gute Ideen zum Schlichten.
    Der Mittlere ist ja so dicht an der Großen dran, dass er immer das Gefühl hatte, er könnte sie fast erreichen, aber eben nur fast. Deswegen hat er zum Beispiel komplett andere Instrumente gewählt als die Große, um nicht zu hören "Du spielst nur Babykram" oder "Kannst Du schon ein hohes Fis?" ;-) Inzwischen treten die beiden gerne zusammen auf, er spielt Klarinette, sie begleitet auf dem Klavier - da ist man dann voller Freude! So harmonisch wie auf der Bühne sind die Proben daheim natürlich nicht ;-)
    Schulisch ist es auch so: momentan Klasse 7,6 und 4 und jeder Lehrer sagt "Ach, Du bist der Bruder von...", was man natürlich nicht gern hört, weil damit der Maßstab gesetzt ist. Deswegen betone ich immer wieder, sie sind alle drei verschieden, und auch wenn demnächst das kleine Mädchen auf das Gymnasium wechselt, wird sie nicht genau so sein wie die Große!
    Ich finde es toll, dass ihr dann trotzdem gemalt habt - nur eben auf eine andere Weise und so ist ein tolles, neues Kunstwerk entstanden!
    Trotz aller Rivalitäten bin ich unendlich dankbar, dass meine Kinder nicht als Einzelkind aufwachsen, denn ich vermisse Geschwister bis heute!

    Das Bild am Klavier gibt es bei uns auch oft - ich liebe es!

    Liebe Grüße,
    Karen

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  2. Ach, das haben wir auch oft gemacht, sobald sie dann dabei sind, geht alles von allein.

    Einen schönen Sonntagabend
    Regina

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  3. Ein unendliches Thema ....
    Ich, die älteste von fünfen kenne so ziemlich alle Varianten von Geschwisterliebe, -stress-, -eifersüchtelein, -stolz, -zusammengehörigkeit.
    Ja, mir war es immer so wichtig ab und zu allein mit Mama oder Papa sein zu dürfen. Auch bei Oma und Opa war ich oft alleine über Nacht. Das weiss ich heute nach über einen halben Jahrhundert noch. Ich erinnere mich da an vieles.
    Meine Kinder sind sehr weit auseinander. Die drei Grossen sind schon 39, 36 und 29 Jahre alt. Sie sind damals fast immer gemeinsam anzutreffen gewesen. Da hab ich mir nie Gedanken gemacht, es lief einfach so .... heute hat der Grosse mit der 29jährigen Schwester den innigen Kontakt, der Bub mittendrin ist Einzelgänger, lässt sich selten sehen. Da denk ich die letzten Jahre öfter drüber nach wo das herkommt.
    Die beiden Kleinen sind nun 13 und 15 Jahre alt, sie sind sehr, sehr verschieden und zu Hause wie Hund und Katze. Bei uns geht es nur wenn ganz bewusst ein Kind mit einem Elternteil allein was machen darf. Noch dazu ist der 13jährige Autist, das macht's nochmal anders ...
    Und dann entstehen ganz spontan aufeinmal Spielrunden mit beiden Kindern und Eltern und die dauern sehr, sehr lang und dann sagt die Tochter hinterher: ""War das schön! Warum passiert das nicht öfter mit uns Vieren?!
    Wie gesagt, unterschiedlicher geht es wohl nicht. Der Papa hier hat drei ältere Brüder, der erzählt wieder ganz andere Geschichten von früher ....
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht mal auf die länge der Zeit ankommt. Manchmal bringt eine 10Minuten-Autofahrt so viel intensives Miteinander dass man tagelang davon zerrt und sich Mama und Kind freuen, dass es so schön war auf de kl.Reise ....
    Du hast ein schönes Blog, mit so vielen interessanten Themen.
    ich wünsch Dir eine schöne Woche
    Elisabeth

    ... und lass Dich nicht verbiegen, grad bei Deinen Kindern nicht. Ihr jungen Mamas macht das so toll, so bewusst und so im Sinn von Euren Kindern!

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  4. Rivalität bzw. "Enttrohnung" ist bei uns gerade auch ein Thema. Der Sohnemann ist gerade 2 Jahre alt und das Tochterkind 5 Monate. Der Sohnemann muss sich nach seinen fast zwei Jahren Einzelkinddasein mit voller Aufmerksamkeit von Mama, Papa und dem Rest der Familie erst einmal daran gewöhnen, dass er nun nicht mehr alleine im Mittelpunkt steht. Wir versuchen, wie Du es so schön beschrieben hast, Exklusivzeit mit ihm zu verbringen. Gerade für mich nicht immer einfach, da das Tochterkind gestillt wird und auch sonst recht nähebedürftig ist (was ja sehr schön ist). Am Wochenende habe ich einen interessanten Artikel zu den "5 Sprachen der Liebe bei Kindern" gelesen. Wenn ich weiß, was mein Kind braucht um sich geliebt zu fühlen, kann ich stärker darauf achten, mich dementsprechend zu verhalten. Trotzdem denke ich oft, ich werde ihm oder ihr an vielen Tagen nicht gerecht, wie vermutlich alle Mamas hin und wieder diese Gedanken haben.
    Liebe Grüße,
    Sandra

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  5. Da sagst du was Wahres.
    Malen mit Strohhalm wollte ich schon lange mal probieren, aber ich habe es
    immer wieder vergessen. Vielen Dank fürs Erinnern!!
    Ich versuche den Streitereien so gut es geht aus dem Weg zu gehen, damit sie es alleine lösen (können). Klappt auch meist (und in der Regel besser, als wenn ich mich einmische).
    Liebe Grüße
    Jutta

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